Bedenklicher Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen

„Vierter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht“ setzt auf ganzheitlichen Ansatz zur Bewegungs­förderung 

  • 80 Prozent der Heranwachsenden erreicht nicht die von der WHO empfohlenen 45 Minuten Bewegungszeit pro Tag
  • Inaktivität im Kindesalter hat gesundheitliche Konsequenzen und kann zu niedriger Lebenserwartung führen
  • Sport wirkt sich positiv auf chronisch kranke Kinder aus
  • Physical Literacy soll Leitprinzip im deutschen Kinder- und Jugendsport werden

Es gehört zum Grund­verständnis aller Menschen, dass Sport zu einer gesunden Lebensweise beiträgt. Dies gilt insbesondere für die Kindes- und Jugendentwicklung: Der natürlich gegebene Bewegungs­drang von Kindern ist die Voraussetzung für eine gesund­heitliche Entwicklung. Trotz allem steigt die Anzahl der Befunde, wie Übergewicht oder motorische Defizite, die auf ein unzureichendes Pensum an Bewegung bei Kindern und Jugendlichen hinweisen.

Der „Vierte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht“, der von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung initiiert wurde, verdeutlicht die Risiken von Inaktivität und diskutiert den Bedarf des Konzepts der Physical Literacy als ganzheitlichen Ansatz zur Bewegungs­förderung im Sinne einer bewegungsbezogenen Gesundheitskompetenz.

Bewegung im Entwicklungskontext

Wichtig für das Verständnis der kindlichen und jugendlichen Entwicklung ist, Kinder nicht als kleine Erwachsene zu kategorisieren. Entwicklungsprozesse körperlicher, psychischer und kognitiver Art können nicht einfach vom Erwachsenen auf den Heranwachsenden übertragen werden. Unabhängig davon ist in der Entwicklung von Kindern das Wechselspiel zwischen aktivem Handeln und Interaktion eines Individuums mit seiner Umwelt, an die es sich anpasst, ein entscheidender Faktor.

Gerade im Kindesalter spielt dabei die Rolle der Familie und im engeren Kreis der Eltern eine wichtige Funktion. Die familiäre Vorbildfunktion spielt eine entscheidende Rolle für die sportliche Entwicklung von Kindern. Doch auch Einflussfaktoren wie Kindertagesstätten und Kindergärten, Schulen oder das steigende digitale Angebot sind entscheidend für die Aktivität bzw. Inaktivität von Kindern und Jugendlichen. Denn:

Mehr als 80 Prozent der Heranwachsenden in Deutschland erfüllt die Bewegungs­empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht. Besonders dramatisch trifft dies auf weibliche Jugendliche zu.

Vierter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht

Für die einzelnen Altersgruppen lassen sich mitunter Bewegungsempfehlungen ableiten: Säuglinge und Kleinkinder sollten in ihrem natürlichen Bewegungsdrang nicht gehindert werden. Hier gilt es, Eltern bzw. Betreuungs­personen zu sensibilisieren. Für Kinder im Grundschulalter haben Studien herausgefunden, dass eine ausreichende Bewegung zu einer besseren Gewichtsentwicklung, aber auch zu Zufriedenheit und prosozialem Verhalten beitragen. Positiv beeinflussend wirken hier:

  • die Teilnahme am Sportunterricht,
  • die aktive Gestaltung des Schulwegs,
  • das Nachgehen von sportlichen Hobbies auch im familiären Kontext sowie
  • die Reduktion von Medienzeiten und Mediengeräten in Kinderschlafzimmern auf ein Minimum. 

Gesundheitliche Folgen von Inaktivität vs. Chancen von Bewegungsförderung 

Kinder und Jugendliche in Deutschland bewegen sich immer weniger und entwickeln als Folge davon immer mehr Überge­wicht. Das beeinträchtigt nicht nur die physische, psychische und soziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, sondern könnte auch zu einer niedrigeren Lebenserwartung führen, wie dies z. B. Studien in den USA bereits gezeigt haben. Wir wissen heute erheblich mehr über den Gesund­heitsnutzen von Bewegung und Sport in Kindheit und Jugend als noch vor wenigen Jahren, z. B. über die Kommunikation der verschiedenen Organsysteme wie Muskel, Gehirn und Fettmasse sowie die zentrale Rolle von Sport und Bewegung in diesem Zusammenhang.

Fakt ist: Sport und Bewegung haben nicht nur einen physischen Nutzen, sondern auch positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen. Besonders sinnvoll sind dabei Programme, die körperliche und koordinative Anforderungen miteinander kombinieren. Sport und Bewegung bieten auch Chancen für chronisch kranke Kinder und Jugendliche: In Abhängigkeit des jeweiligen Zustandes wirken Sport und Bewegung direkt positiv auf den Krankheitsverlauf und führen zu psychischer Stabilisierung, Steigerung der Lebensqualität sowie sozialer Integration. 

Physical Literacy als Leitprinzip im deutschen Kinder- und Jugendsport 

Gesundheitsorientierter Kinder- und Jugendsport in Deutschland sollte sich verstärkt am Konzept der Physical Literacy orientieren, so wie dies international bereits häufig üblich ist. Es sollte ein Grundpfeiler bzw. eine fest verankerte Zieldimension von Sportunterricht in Deutschland sein.

Im aktuellen wissenschaftlichen Kontext wird Physical Literacy als bewegungsbezogene Gesundheitskompetenz diskutiert. Der Begriff „Literacy“ meint die Fähigkeit des Lesens und Schreibens sowie auch das Text- und Sinnverständnis, Vertrautheit mit Literatur und anderen schriftbezogenen Medien (inkl. Internet) und die Kompetenzen im Umgang mit der Schriftsprache. Schon vor einigen Jahren wurde hiervon ausgehend der Begriff „Health Literacy“ geprägt. Zunächst schrieb die wissenschaftliche Forschung diesem Begriff die kognitive und soziale Fähigkeit zu, die eine Person dazu befähigt, Zugang zu (medizinischen) Informationen zu erhalten, zu verstehen und gesundheitsförderlich zu nutzen. Mittlerweile wird der Begriff vielmehr mit der kritischen Analyse und der Bewertung von (medizinischen) Informa­ tionen in Verbindung gebracht, wodurch die Gesundheits­ kompetenz und die Bildung in einem Zusammenhang stehen. In Weiterentwicklung zur Physical Literacy werden jene Bereiche erfasst, die zu einem aktiven Lebensstil beitragen. 

Hierzu gehören neben der Motivation und der Selbstwirk­samkeit auch das Wissen über den (gesundheitlichen) Nutzen. Physical Literacy hat daher eine erhebliche Bedeutung für den Kinder- und Jugendsportbereich. 

Der „Vierte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht“ fordert, die praktische Umsetzung des Konzepts weiter auszuarbeiten. Denkbar ist die Vermittlung einer entsprechenden Grundhaltung, so dass die Selbstwirksamkeit, Motivation und vor allem auch das Vertrauen in die sportliche Betätigung zu einem besseren Verständnis für den gesundheitsbringenden Nutzen beiträgt. Hierzu benötigt es, so der Bericht, qualifiziertes Personal, damit Kinder und Jugendliche eigeninitiativ und vor allem spielerisch ihren Alltag mit Bewegungsfreude gestalten möchten. Daneben sollten auch Eltern den gesundheitsbewussten Bewegungs­drang ihrer Kinder fördern, um die Vorbildfunktion in der frühen Entwicklung zu nutzen. 

Dies ist eine Presseinformation der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Der vierte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht wurde in Zusammenarbeit mit der Sporthochschule Köln erstellt. 

Warum Eltern weniger vorlesen und wieso das unseren Kindern schadet

49 Prozent der Eltern sagen, dass es ihnen keinen Spaß macht / wenig Bücher zuhause / Vorlesestudie 2020 vorgestellt

Rund 32 Prozent der Eltern in Deutschland lesen ihren Kindern selten oder nie vor – diese Zahl ist seit Jahren konstant. Erstmalig geht die Vorlesestudie 2020 der Frage nach, welche Gründe dahinterstecken. Dazu wurden bundesweit 528 Eltern befragt, die maximal einmal pro Woche vorlesen. 

Die Vorlesestudie 2020, die heute in einer Online-Pressekonferenz vorgestellt wurde, ist wie der Bundesweite Vorlesetag am 20. November ein gemeinsames Projekt von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung.

Wenig Zeit

Häufig fehlt es an Zeit und Bereitschaft zum Vorlesen. Die Hälfte der Eltern gibt an, dass es im Haushalt anderes zu tun gibt und sie zu erschöpft zum Vorlesen sind. Außerdem denken 48 Prozent der befragten Eltern, dass ihren Kindern woanders schon genug vorgelesen wird, vor allem in der Kita. 

 „Vorlesen ist für viele der Befragten eine zusätzliche Belastung in ihrem Alltag“, sagt Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer der ZEIT Verlagsgruppe. „Dabei lässt es sich mit anderen Freizeitaktivitäten wie etwa Basteln gut verbinden, das wollen wir noch mehr zeigen. Schon fünf Minuten Vorlesen sind besser als nichts.“ 

Wenig Bücher

Auch mangelt es in vielen Haushalten an Vorlesestoff. 68 Prozent der befragten Haushalte geben an, dass ihre Kinder maximal zehn Bücher haben. Sie sehen diese Tatsache häufig nicht als Manko, allerdings fänden es 57 Prozent der befragten Eltern gut, wenn ihre Kinder regelmäßig Bücher geschenkt bekämen. Die Studie zeigt auf, dass Buchgeschenke die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Eltern häufiger vorlesen. 

„Geschichten müssen zu den Familien kommen, egal ob als Buch oder digital“, fordert Jürgen Kornmann, Leiter Marketing & PR der Deutschen Bahn AG und Beauftragter Leseförderung der Deutsche Bahn Stiftung. „Vorlesestoff sollte im Alltag überall verfügbar sein – attraktiv, unkompliziert, niedrigeschwellig und in möglichst vielen Sprachen. Das erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern häufiger vorlesen.“

Wenig Spaß

49 Prozent der Eltern macht Vorlesen keinen Spaß. Damit gehen sehr kritische Vorstellungen vom Vorlesen einher: Die Eltern glauben, schauspielern und ihre Kinder zum geduldigen Zuhören zwingen zu müssen. 44 Prozent der befragten Eltern sagen, dass ihr Kind zu unruhig sei, 31 Prozent geben an, dass ihr Kind selbst gar nicht vorgelesen bekommen möchte.  

„Viele der befragten Eltern stehen dem Vorlesen kritisch gegenüber – es macht ihnen keinen Spaß, weil sie sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlen“, sagt Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer Stiftung Lesen.  „Die Hälfte hat in ihrer eigenen Kindheit zu Hause keine Vorleseerfahrungen gemacht. Ihnen fehlt das Vertrauen, dass Vorlesen jederzeit und überall ohne Übung möglich ist. Das wollen, das müssen wir ändern, denn es geht darum, dass alle Kinder diesen wichtigen Impuls in ihr Leben mitnehmen können!“ 

Die Vorlesestudie wird seit 2007 jährlich durchgeführt. 2020 hat iconkids & youth München im Mai und Juni 528 Eltern von Kindern im Alter von 1-6 Jahren (358 Mütter, 170 Väter) persönlich-mündlich befragt, die maximal einmal pro Woche vorlesen. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Gruppe der selten und nie vorlesenden Eltern bundesweit. 

Alle Ergebnisse sowie Vorleseempfehlungen für Kinder zwischen einem und acht Jahren finden Sie unter: www.stiftunglesen.de/vorlesestudie

Zentrale Ergebnisse aus den zurückliegenden Vorlesestudien lauten: 

  • Vorlesen fördert die Lesemotivation und das Leseverhalten (2011/2018)
  • Vorlesen fördert die sprachliche Entwicklung (2018)
  • Vorlesen fördert die persönliche Entwicklung (2015)
  • Vorlesen fördert die sozialen Kompetenzen von Kindern (2015/2016)
  • 91 Prozent der Kinder in Deutschland lieben es, wenn ihnen vorgelesen wird und wünschen sich, dass dies noch viel öfter geschieht. (2016)

Beim Bundesweiten Vorlesetag setzen jedes Jahr Hundertausende Menschen ein Zeichen für das Vorlesen. 2020 findet er am 20. November statt. Weitere Informationen und Anmeldung: www.vorlesetag.de

Dies ist eine Pressemitteilung der Stiftung Lesen. Das Aufmacherbild stammt von: kelly bell photography (CC-BY 2.0).

Jungs und Computerspiele. Ist das Sport?

Ist das Sport?

Am 6. Oktober 2020 hat der niedersächsische Landtag eine Förderung des eSports beschlossen. Die Debatte ist nachzulesen im stenografischen Bericht der 85. Sitzung des Niedersächsischen Landtags vom 6. Oktober 2020, S. 8189-8196. Angenommen wurde der Antrag von SPD und CDU „Förderung des digitalen Breitensports – virtuelle Sportarten anerkennen und unterstützen„.

Kommentar

Zu dieser Entscheidung lesen Sie hier einen persönlichen Kommentar von Jan Herrmann, der nicht die Meinung des Kreiselternrates wiedergibt. Ziel dieses Kommentars ist es, hier vor Ort eine Debatte zu ermöglichen. Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion.

Es ist gesellschaftlicher Druck, der die CDU, SPD, FDP und die Grünen dazu bringt, für die Förderung des sogenannten eSports einzutreten. Computerspiele sind generationsübergreifend populär, insbesondere aber junge Menschen und hier besonders die Jungen verbringen einen Großteil ihrer freien Zeit damit, an Smartphones, Konsolen und Rechnern zu spielen. Die dahinter stehende wirtschaftliche Kraft ist groß und so ergibt sich für alle politische Richtungen ein Betätigungsfeld, das Sympathie-Boni verspricht.

Der Deutsche Olympische Sportbund zum eSport

Die inhaltliche Vorlage für eine Förderungsdiskussion hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) geleistet, der 2018 einen Teil der Computerspielangebote als integrierbar in die Sportkultur angesehen hat. Dafür hat der DOSB die unter eSport firmierenden Aktivitäten in zwei Gruppen unterteilt: In das eGaming und in elektronische Sportartensimulationen („virtuelle Sportarten“). Nur letzteres sei eSport im Sinne des DOSB, könne der Weiterentwicklung des Sports und der Sportverbände dienen und sei förderfähig.

Allerdings begründet Frau Prof. Carmen Borggrefe von der Universität Stuttgart, Abteilung Sportsoziologie und -management, in ihrer von vielen Sportwissenschaftlern unterzeichneten Stellungnahme zum eSport, warum eSport kein Sport sei. Unter anderem legt sie dar, dass die eigene Definition des Sportbegriffs durch den Deutschen Olympischen Sportbund gar nicht auf die Tätigkeiten an den Geräten und Controllern zutrifft.

eSport und Gesundheit

Der weitaus wichtigere Aspekt ihrer Stellungnahme ist aber, dass eine Förderung des eSports deutliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit junger Menschen hat. Da hilft es auch nicht, dass der SPD/CDU Antrag unter Punkt 6 dazu auffordert, „zu prüfen, welche suchtpräventiven sowie Anti-Doping- und Medienkompetenzmaßnahmen in Bezug zu virtuellen Sportarten zu treffen sind“. Borggrefe formuliert so:

Wettkampfmäßige Video- und Computerspiele wirken jedoch den positiven gesundheitlichen Effekten des Sports entgegen:

  • Sie sind auf die Bewegung der Finger beschränkt und fördern die allgemeine Bewegungsarmut durch das Sitzen vor den Bildschirmen.
  • Sie bergen ein hohes Suchtpotenzial, was dazu geführt hat, dass die WHO im Juni 2018 Computerspielsucht als offizielle Krankheit eingestuft hat.
  • Und sie werden durch die langen Spielzeiten vor den Bildschirmen und der damit einhergehenden fehlenden Exposition gegenüber Tageslicht auch mit der zunehmenden Kurzsichtigkeit von Kindern und Jugendlichen in Verbindung gebracht. 

Der Psychiater Prof. Dr. Bert te Wildt, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen stellt fest: „Man kann ganz klar sagen, dass der Traum, ein professioneller E-Sportler zu werden, manche in die Abhängigkeit treibt“ (DEEG, 2019).

Computerspiele und Schulleistungen

Die Computerspielsucht, von der Prof. te Wildt spricht, ist aber nur eine Spitze des Eisberges. Eine zeitlich umfassende Beschäftigung mit Computerspielen hat, ohne schon eine Sucht zu sein, schädliche Auswirkungen auf junge Menschen, alleine durch die Zeit, die damit verbracht wird. Prof. Dr. Christian Pfeiffer, ehemaliger Leiter des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen hat sich in vielen Studien mit dieser Problematik auseinandergesetzt. Mehrere Umfrage-Studien haben deutlich gezeigt, dass Jungen einen großen Teil ihres Tages mit Computerspielen verbringen. In Niedersachsen, so berichtet Christian Pfeiffer in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, spielen Jungen täglich drei Stunden und vier Minuten, während Mädchen nur 24 Minuten spielen. Zeitgleich sind Schülerinnen und Schüler auf dem Gymnasium gar nicht mehr gemäß ihrer normalen Verteilung vertreten (~60% Mädchen, ~40% Jungen). Dafür dominieren die Jungen beim Sitzenbleiben (60% aller Sitzenbleiber) und beim Abbruch des Studiums oder bei der Wiederholung von Prüfungen oder Semestern (67% männlich, 33% weiblich).

Computerspiele wirken besonders auf junge Männer. Der eigene Wunsch Maß zu halten, wird von den Prinzipien der Computerspiele torpediert, die stets Erfolge bieten und zum Weitermachen verführen. Wichtige anstehende Aufgaben für Schule, Job oder Studium geraten bei einer großen Anzahl von Jungen und männlichen jungen Erwachsenen in den digitalen Strudel.

Starke Lobby

Diese wichtigen Stimmen wurden angesichts der forschen Lobby-Arbeit z.B. durch den eSport-Bund Deutschland, vertreten durch seinen Präsidenten Hans Jagnow, verdrängt. Die Spieleszene hat eine gewaltige Dimension, bei Wettbewerben werden hohe Preisgelder bezahlt. Nur werden eben nur die wenigsten Profi-Spieler (die sich auch körperlich fit halten müssen, um ihren Leistungen zu erbringen). Auf der Strecke bleiben die Sesselsitzer und im Bett-Lieger, die sich (bis auf die flinken Finger) zu wenig bewegen, ihren Handy-Nacken ausbilden, ihre Augen schädigen und die vielleicht im Alter von 30 Jahren aus ihrem digitalen Tunnel ans Licht der Realität treten und sich fragen, womit sie ihre Jugend verbracht haben.

Was wäre denn besser?

Statt einer Förderung von Nachmittagsaktivitäten, die Schülerinnen und Schülern attraktive Angebote mit realen Erlebnissen, Horizonterweiterung, Musik, Kunst, richtigem Sport macht, wird nun eine milliardenschwere Industrie gefördert.

Und noch eine Frage:

Wenn die Steuerung von Avataren, die auf dem Bildschirm sportliche Übungen darstellen nun auch als richtiger, förderungsfähiger Sport definiert wird, sollte dann konsequenterweise nicht auch die Steuerung von Avataren, die sich auf dem Bildschirm gegenseitig umbringen als richtiger Krieg definiert werden? Sollten dann unsere Sanktionskriterien von kriegerischen Handlungen nicht auch für virtuelle Kriegshandlungen gelten?

Quellen

Nicole Dittmer hat am 16.10. für den Deutschlandfunk mit Hans Jagnow, Präsident des Deutschen E-Sport-Bundes, gesprochen: „Computerspielen als Sportart. 400 Anschläge pro Minute

Sabrina Loi hat am 16.10. für den Deutschlandfunk mit Christian Pfeiffer, dem ehemaligen Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen e. V., gesprochen: „Kontroverse um E-Sports Kriminologe: Computerspiele verringern die Lernleistung

Janosch Deeg für Spektrum.de (2019): Hartes Training ist noch keine Computerspielsucht

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Wo klappt’s (nicht) mit dem Lüften

Das Kultusministerium hat informiert, dass das Thema Lüften auch bei schwierigen Witterungsverhältnissen ein zentraler Bestandteil der Hygiene an Schulen sei:

„Wir in Niedersachsen orientieren uns dabei an der Faustformel 20-5-20: 20 Minuten Unterricht 5 Minuten Stoßlüften und 20 Minuten Unterricht. Dieser Rhythmus lässt sich gut in den Ablauf einer Schulstunde integrieren und kann einen wichtigen präventiven Beitrag gegen die Verbreitung des Virus leisten.“

Der Landeselternrat zweifelt nach einzelnen Berichten aus Schulen an, dass das so überall umgesetzt werden könne und erhebt zur Zeit den Stand von Lüftungsmöglichkeiten an Schulen in Niedersachsen. Wir wollen diese Umfrage im Landkreis Wittmund unterstützen und bitten alle Eltern, folgende Fragen zu prüfen und uns mitzuteilen.

ACHTUNG: Durch die Angabe von Kontaktdaten ermöglichen Sie uns Rückfragen. Ihre Kontaktdaten (Name, Email, Tel.) und die Angabe zur Klasse bleiben beim Kreiselternrat Wittmund und werden nicht weitergeleitet. Sie können gerne auch andere Wege (Telefon, Email) nutzen. Alle Daten beim Kreiselternrat Wittmund werden nach Ablauf der Umfrage, spätestens aber am 15.12.2020 gelöscht.

    Haben Sie Kenntnis von Schulen bei denen das Lüften definitiv nicht umgesetzt werden kann?
    JaNein

    Harlinger sucht Lieblingsbücher

    Was gibt's neues auf dem Buchmarkt für Kinder - Die KIBUM weiß Antwort

    Rund um den Weltkindertag, der am Sonntag. 20. September ist, beschäftigt sich die Redaktion des Anzeiger für Harlingerland mit Kinder- und Jugendliteratur. Wir möchten gern wissen: Was lesen die Kinder und Jugendlichen im Harlingerland? Welches ist euer Lieblingsbuch?

    Gibt es ein Buch, das ihr gerade neu entdeckt habt? Oder eines, das ihr schon gefühlt 100 Mal gelesen habt?

    Der Haflinger ruft dazu auf, Fotos einzusenden, auf dem Leserin oder Leser und Lieblingsbuch zu sehen sind. Dazu sollte kurz erklärt werden, warum dieses Buch toll ist und Name und Alter angegeben werden. Emailadresse: redaktion@harlinger.de

    Einsendeschluss ist der kommende Mittwoch, 23. September, 12 Uhr.

    Auch Eltern können Fotos vom Buch schicken, das sie ihren Kindern vorlesen.

    ACHTUNG, alle Einsenderinnen und Einsender erklären sich damit einverstanden, dass das eingesandte Foto veröffentlicht wird.

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    Schülerbeförderung und Infektionsschutz

    Landkreis Wittmund, Verkehrsunternehmen und Kreiselternrat diskutieren den Infektionsschutz bei der Schülerbeförderung

    Der Schulbetrieb ist angelaufen und überall wird der Niedersächsische Rahmen-Hygieneplan Corona Schule umgesetzt. Aber wie kommen unsere Kinder zur Schule? In einem Flächenlandkreis werden die Schülerinnen und Schüler vor allem per Bus zur Schule gebracht. Schaut man sich unsere vollen und übervollen Busse am frühen Morgen an, fragt man sich, ob hier die Bemühungen der Schule um Hygiene nicht konterkariert werden. Bei den Eltern regt sich zunehmend der Unmut über das Risiko Schülerbeförderung. Um die Situation im Landkreis Wittmund abzuklären, hat es am 9. September einen schnell eingerichteten Runden Tisch gegeben, an dem Landkreis, Verkehrsunternehmen und Kreiselternrat die Situation besprochen haben.

    Mund-Nasen-Schutz für Oma und Opa

    Frau Dr. Behnke vom Gesundheitsamt des Landkreises, ordnete die Infektionsgefahr ein und teilte mit, dass derzeit der Infektionsdruck im Landkreis Wittmund sehr gering sei. Sie wies darauf hin, dass es gerade bei Unterschreitung des Mindestabstandes und unzureichendem Luftaustausch bedeutend sei, dass sich alle Fahrgäste an die Maskenpflicht halten. Dadurch werde die Infektionsgefahr minimiert. Kinder selbst scheinen sich nicht ganz so leicht anstecken zu lassen, wie erwachsene Personen. Es gebe Fälle im Landkreis, wo die Eltern mit COVID-19 infiziert waren und die Kindern sich nicht angesteckt hätten.

    Der Kreiselternrat bittet alle Eltern, Ihre Kinder auf die Bedeutung des Masketragens hinzuweisen. Dabei sollte den Kindern auch deutlich gemacht werden, dass sie die Maske nicht nur zum Eigenschutz oder Schutz von Mitschülerinnen und Mitschülern tragen, sondern viel mehr zum Schutz der viel stärker gefährdeten Menschen aus dem Umfeld der Schülerinnen und Schüler wie z.B. Großeltern oder Menschen mit Vorerkrankungen.

    Auf die Frage des Kreiselternrates, ob die vollen Busse die aufwendigen Maßnahmen zum Infektionsschutz in den Schulen nicht konterkariere, konnte Frau Dr. Behnke nicht ganz eindeutig antworten. Klar sei, dass bei derzeitigem Infektionsdruck die Infektionsgefahr gering sei. Die Beurteilung ändere sich aber bei höheren Infektionszahlen. Es sei wünschenswert, wenn nicht jeder Stehplatz besetzt würde. Richtig gut wäre es, wenn nur jede zweite Reihe mit einer Schülerinnen oder einem Schüler besetzt wäre. Dann bräuchte man aber mindestens vier mal so viele Busse, wie vorhanden sind. Für dieses Szenario fehlen aber sowohl Fahrzeuge als auch Fahrer.

    Elterntaxis sind gefährlicher als Corona

    Der Kreiselternrat stellt fest, dass der derzeitige Trend, dass Eltern ihre Kinder einzeln zur Schule fahren ein weit höheres Risiko birgt, als die Ansteckungsgefahr im Bus. Vor den Schulen entstehen unübersichtliche und gefährliche Verkehrssituationen durch die vielen Fahrzeuge. Das stehe überhaupt nicht im Verhältnis zur derzeitigen Infektionsgefahr.

    Schön sei es, wenn Schülerinnen und Schüler, die nicht allzu weit von der Schule entfernt wohnen, die Situation sportlich sehen und das Fahrrad für den Schulweg nutzen. Das ist ein hilfreicher Einsatz, um die Busse zu entlasten, der vom ganzen Umfeld sehr geschätzt werden sollte.

    Begrenzte Möglichkeiten der Verkehrsbetriebe

    Von der Firma Edzards Reisen war Herr Henning, vom Verkehrsverbund Weser-Ems-Bus Herr Jäger anwesend. Auf die „übervollen“ Busse angesprochen erklärte Herr Henning, dass die Busse zusätzlich zu den Sitzplätzen für eine gewisse Anzahl Stehplätze genehmigt seien. Bei Fahrgastzählungen würden diese Zahlen nicht überschritten werden. Er räumte aber ein, dass gerade mit Schul- und Sporttaschen schnell der Eindruck eines sehr vollen Busses entstehen könne. Er bedauerte, dass nicht viele zusätzliche Busse zur Verfügung ständen. Die Busse müssten auch als Ersatz für den Normalbetrieb zur Verfügung stehen, da durch den jüngsten Zukauf von Bussen und Schülerbeförderungsstrecken auch einige ältere Busse in den Fuhrpark aufgenommen worden seien. Zwei bis drei Busse stünden als Reserve zur Verfügung. Reisebusse seien für einen anderen Zweck genehmigt worden. Diese ließen sich nicht einfach so für die tägliche Schülerbeförderung nutzen. Wenn zusätzliche Busse fahren müssten, bräuchte man auch dementsprechend viele Fahrerinnen und Fahrer.

    Herr Jäger schilderte, dass im Landkreis Aurich die zusätzlichen Busse zunächst erprobt würden. Man habe die Strecken mit dem höchsten Beförderungsaufkommen analysiert und ergänze die Strecken durch Zusatzbusse nach einer Prioritätenliste, da nur begrenzt Fahrzeuge und Fahrer zur Verfügung stehen. Es sei so geplant, dass jeweils ein zweiter Bus hinter dem planmäßigen her fahre. Ob das angenommen werde, sei noch unklar. Er kenne Schwierigkeiten mit Schülerinnen und Schülern, die unbedingt mit ihren Freunden fahren und nicht auf den Folgebus warten wollten.

    Kreativität gefragt

    Der erste Kreisrat Uwe Cassens appellierte an die Verkehrsunternehmen kreativ zu denken und Lösungen zu erarbeiten. Die Nutzung der vorhandenen Verstärkerbusse solle umgehend geprüft werden. Auf jeden Fall werde sich der Landkreis aber auf den Fall eines höheren Infektionsdruckes vorbereiten. Leider habe das Land Niedersachsen keine Unterstützung für die Schülerbeförderung vorgesehen.

    Frau Janssen (Amt für zentrale Dienste und Finanzen) ergänzte, dass auch Gespräche mit den Schulen hinsichtlich veränderter Unterrichtszeiten geführt wurden. Das Thema erweise sich derzeit aber als sehr komplex. Die Schulen haben darauf hingewiesen, dass sie ihre Pflichtstunden anbieten müssten und den zeitlichen Umfang nicht reduzieren könnten. Eine Verschiebung der Schulanfangs- und -endzeiten sei daher aktuell nicht in der Vorbereitung, könne bei veränderter Infektionslage aber noch einmal angedacht werden.

    Communication overkill

    Frau Dr. Behnke und Herr Carstens, der zuständig für die Schülerbeförderung im Amt für zentrale Dienste und Finanzen ist, appellierten an die Eltern, sich bei Anrufen kurz zu fassen und eventuell mehrere Stimmen vor einem Anruf zusammenzufassen. Frau Dr. Behnke machte deutlich, dass das Gesundheitsamt derzeit am Limit arbeite und die vielen zusätzlichen Anrufe viel Zeit kosteten, die der eigentlichen Arbeit dann nicht mehr zur Verfügung stände. Herr Carstens pflichtete dem bei und versprach, jedem Hinweis auf Probleme bei der Schülerbeförderung nachzugehen. Wenn aber mehrere Eltern den gleichen Vorfall ausführlich schilderten, würde er seine Arbeitszeit lieber in die Bewältigung der Probleme stecken. Der Kreiselternrat meint dazu, dass sich Eltern natürlich beim Landkreis melden, Vorfälle schildern oder Sorgen klären können müssen. Wenn Eltern sich dabei sachlich kurz fassen, ist das zu begrüßen. Der Kreiselternrat hat angeboten Antworten auf häufig eintreffende Fragen an die Elternschaft weiterzugeben, um damit die Arbeit der Ämter zu entlasten.

    Eltern können Probleme bei der Schülerbeförderung beim Landkreis und beim Verkehrsunternehmen melden. Auch der Kreiselternrat benötigt Informationen zur Schülerbeförderung, um gegebenenfalls tätig zu werden.

    Fazit des Gesprächs

    • Der Infektionsdruck im Landkreis Wittmund ist derzeit gering.
    • Maske tragen bei der Schülerbeförderung ist wichtig.
    • Elterntaxis erhöhen Gefährdungen für Schülerinnen und Schüler.
    • Fahrradfahrende Schülerinnen und Schüler sind eine große Hilfe.
    • Die Verkehrsunternehmen können derzeit nur einen geringen Beitrag zur Entspannung leisten, haben aber signalisiert, die Bedarfsanalyse für gezielte Verstärkerbusse zu unterstützen. 
    • Der Landkreis Wittmund bereitet sich auf die Schülerbeförderung bei höherem Infektionsdruck vor.

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