Wissenschaft für Kids: Mit „Süßes oder Saurier“ startet der Kinderpodcast des Museums für Naturkunde Berlin

Kassette war gestern, heute gibt’s Podcast: Passend zu Halloween bringt das Museum für Naturkunde Berlin ab 4. November 2020 den Kinderpodcast „Süßes oder Saurier“ heraus. Ob Dinosaurier, Hamster oder die wilden Tiere Berlins – der Podcast bringt die gesamte Palette der Natur ins Kinderzimmer. Mehr Natur geht nicht.

Waren Dinos grün? Wollen Hamster und Meerschweinchen mit uns kuscheln? Und warum dampfen Vulkane? Diesen und vielen anderen Kinderfragen geht das Reporterteam Jule Kaden und Sparky, das Maskottchen der Berliner Sparkasse, auf den Grund. Alles über süße Tiere, echte Saurier und faszinierende Naturgeheimnisse erfahren die beiden von den Expertinnen und Experten des Museums. So entstehen kuriose Geschichten aus der Natur- und Tierwelt zum Reinhören für Kinder. Und selbst Erwachsene können hier noch etwas lernen.

„Bereits Vierjährige kennen den lateinischen Fachbegriff Tyrannosaurus rex. Aber kennen sie auch die Wildtiere vor ihrer Haustür? Mit dem Kinderpodcast „Süßes oder Saurier“ bringen wir die gesamte Palette der Natur in die Kinderzimmer und begeistern Kinder für Natur“, sagt Johannes Vogel, Generaldirektor. „Die Natur zu verstehen und Kurioses zu lernen, macht Spaß. „Süßes oder Saurier“ öffnet die Türen zur Wissenschaft und die Türen in die heutige sowie die Welt lange vor unserer Zeit.“

Die erste Staffel mit zehn Folgen erscheint alle 14 Tage mittwochs. „Süßes oder Saurier“ gibt es ab 4. November auf Spotify, Deezer, Apple Podcast und überall, wo es Podcasts gibt.

Der Podcast „Süßes oder Saurier“ ergänzt den Podcast „Beats & Bones“, den es seit August gibt. Beide Podcasts entstehen im Rahmen der Kooperation der Berliner Sparkasse und des Museums für Naturkunde Berlin. „Unsere Kooperation macht neugierig auf Natur. Um diese Neugier zu stillen, können alle Kinder ihre Fragen an uns schicken, die häufigsten werden im Podcast beantwortet. Wir sind sicher: ‘Wissen schafft Durchblick‘“, sagt Kai-Uwe Peter, Verbandsgeschäftsführer der Berliner Sparkasse. Alle Fragen zu allem, was krabbelt, stampft, blubbert und fliegt, können als Sprachnachricht geschickt werden an: +4917692136208 oder SoS@mfn.berlin.

Audio-Trailer unter: https://www.museumfuernaturkunde.berlin/SoS

Diesen Podcast produziert die Berliner Audioproduktionsfirma Auf die Ohren GmbH.

Die ersten fünf Folgen:

  1. Dinoliebe. Mit Dr. Daniela Schwarz, Paläontologin.
  2. Bella, Pfiffi und Karlchen – unsere Haustiere. Mit Dr. med. vet. Jakob Trimpert, Virologe und Tierarzt.
  3. Wilde Tiere in der Stadt. Mit Parima Parsi-Pour, Biologin. 
  4. Nachtaktive: Fledermäuse. Mit Dr. Simon Rippberger, Biologe. 
  5. Im Netz der Spinnen. Mit Dr. Jason Dunlop, Biologe.
Dies ist eine Presseinformation von Dr. Gesine Steiner, Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung

Bedenklicher Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen

„Vierter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht“ setzt auf ganzheitlichen Ansatz zur Bewegungs­förderung 

  • 80 Prozent der Heranwachsenden erreicht nicht die von der WHO empfohlenen 45 Minuten Bewegungszeit pro Tag
  • Inaktivität im Kindesalter hat gesundheitliche Konsequenzen und kann zu niedriger Lebenserwartung führen
  • Sport wirkt sich positiv auf chronisch kranke Kinder aus
  • Physical Literacy soll Leitprinzip im deutschen Kinder- und Jugendsport werden

Es gehört zum Grund­verständnis aller Menschen, dass Sport zu einer gesunden Lebensweise beiträgt. Dies gilt insbesondere für die Kindes- und Jugendentwicklung: Der natürlich gegebene Bewegungs­drang von Kindern ist die Voraussetzung für eine gesund­heitliche Entwicklung. Trotz allem steigt die Anzahl der Befunde, wie Übergewicht oder motorische Defizite, die auf ein unzureichendes Pensum an Bewegung bei Kindern und Jugendlichen hinweisen.

Der „Vierte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht“, der von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung initiiert wurde, verdeutlicht die Risiken von Inaktivität und diskutiert den Bedarf des Konzepts der Physical Literacy als ganzheitlichen Ansatz zur Bewegungs­förderung im Sinne einer bewegungsbezogenen Gesundheitskompetenz.

Bewegung im Entwicklungskontext

Wichtig für das Verständnis der kindlichen und jugendlichen Entwicklung ist, Kinder nicht als kleine Erwachsene zu kategorisieren. Entwicklungsprozesse körperlicher, psychischer und kognitiver Art können nicht einfach vom Erwachsenen auf den Heranwachsenden übertragen werden. Unabhängig davon ist in der Entwicklung von Kindern das Wechselspiel zwischen aktivem Handeln und Interaktion eines Individuums mit seiner Umwelt, an die es sich anpasst, ein entscheidender Faktor.

Gerade im Kindesalter spielt dabei die Rolle der Familie und im engeren Kreis der Eltern eine wichtige Funktion. Die familiäre Vorbildfunktion spielt eine entscheidende Rolle für die sportliche Entwicklung von Kindern. Doch auch Einflussfaktoren wie Kindertagesstätten und Kindergärten, Schulen oder das steigende digitale Angebot sind entscheidend für die Aktivität bzw. Inaktivität von Kindern und Jugendlichen. Denn:

Mehr als 80 Prozent der Heranwachsenden in Deutschland erfüllt die Bewegungs­empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht. Besonders dramatisch trifft dies auf weibliche Jugendliche zu.

Vierter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht

Für die einzelnen Altersgruppen lassen sich mitunter Bewegungsempfehlungen ableiten: Säuglinge und Kleinkinder sollten in ihrem natürlichen Bewegungsdrang nicht gehindert werden. Hier gilt es, Eltern bzw. Betreuungs­personen zu sensibilisieren. Für Kinder im Grundschulalter haben Studien herausgefunden, dass eine ausreichende Bewegung zu einer besseren Gewichtsentwicklung, aber auch zu Zufriedenheit und prosozialem Verhalten beitragen. Positiv beeinflussend wirken hier:

  • die Teilnahme am Sportunterricht,
  • die aktive Gestaltung des Schulwegs,
  • das Nachgehen von sportlichen Hobbies auch im familiären Kontext sowie
  • die Reduktion von Medienzeiten und Mediengeräten in Kinderschlafzimmern auf ein Minimum. 

Gesundheitliche Folgen von Inaktivität vs. Chancen von Bewegungsförderung 

Kinder und Jugendliche in Deutschland bewegen sich immer weniger und entwickeln als Folge davon immer mehr Überge­wicht. Das beeinträchtigt nicht nur die physische, psychische und soziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, sondern könnte auch zu einer niedrigeren Lebenserwartung führen, wie dies z. B. Studien in den USA bereits gezeigt haben. Wir wissen heute erheblich mehr über den Gesund­heitsnutzen von Bewegung und Sport in Kindheit und Jugend als noch vor wenigen Jahren, z. B. über die Kommunikation der verschiedenen Organsysteme wie Muskel, Gehirn und Fettmasse sowie die zentrale Rolle von Sport und Bewegung in diesem Zusammenhang.

Fakt ist: Sport und Bewegung haben nicht nur einen physischen Nutzen, sondern auch positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen. Besonders sinnvoll sind dabei Programme, die körperliche und koordinative Anforderungen miteinander kombinieren. Sport und Bewegung bieten auch Chancen für chronisch kranke Kinder und Jugendliche: In Abhängigkeit des jeweiligen Zustandes wirken Sport und Bewegung direkt positiv auf den Krankheitsverlauf und führen zu psychischer Stabilisierung, Steigerung der Lebensqualität sowie sozialer Integration. 

Physical Literacy als Leitprinzip im deutschen Kinder- und Jugendsport 

Gesundheitsorientierter Kinder- und Jugendsport in Deutschland sollte sich verstärkt am Konzept der Physical Literacy orientieren, so wie dies international bereits häufig üblich ist. Es sollte ein Grundpfeiler bzw. eine fest verankerte Zieldimension von Sportunterricht in Deutschland sein.

Im aktuellen wissenschaftlichen Kontext wird Physical Literacy als bewegungsbezogene Gesundheitskompetenz diskutiert. Der Begriff „Literacy“ meint die Fähigkeit des Lesens und Schreibens sowie auch das Text- und Sinnverständnis, Vertrautheit mit Literatur und anderen schriftbezogenen Medien (inkl. Internet) und die Kompetenzen im Umgang mit der Schriftsprache. Schon vor einigen Jahren wurde hiervon ausgehend der Begriff „Health Literacy“ geprägt. Zunächst schrieb die wissenschaftliche Forschung diesem Begriff die kognitive und soziale Fähigkeit zu, die eine Person dazu befähigt, Zugang zu (medizinischen) Informationen zu erhalten, zu verstehen und gesundheitsförderlich zu nutzen. Mittlerweile wird der Begriff vielmehr mit der kritischen Analyse und der Bewertung von (medizinischen) Informa­ tionen in Verbindung gebracht, wodurch die Gesundheits­ kompetenz und die Bildung in einem Zusammenhang stehen. In Weiterentwicklung zur Physical Literacy werden jene Bereiche erfasst, die zu einem aktiven Lebensstil beitragen. 

Hierzu gehören neben der Motivation und der Selbstwirk­samkeit auch das Wissen über den (gesundheitlichen) Nutzen. Physical Literacy hat daher eine erhebliche Bedeutung für den Kinder- und Jugendsportbereich. 

Der „Vierte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht“ fordert, die praktische Umsetzung des Konzepts weiter auszuarbeiten. Denkbar ist die Vermittlung einer entsprechenden Grundhaltung, so dass die Selbstwirksamkeit, Motivation und vor allem auch das Vertrauen in die sportliche Betätigung zu einem besseren Verständnis für den gesundheitsbringenden Nutzen beiträgt. Hierzu benötigt es, so der Bericht, qualifiziertes Personal, damit Kinder und Jugendliche eigeninitiativ und vor allem spielerisch ihren Alltag mit Bewegungsfreude gestalten möchten. Daneben sollten auch Eltern den gesundheitsbewussten Bewegungs­drang ihrer Kinder fördern, um die Vorbildfunktion in der frühen Entwicklung zu nutzen. 

Dies ist eine Presseinformation der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Der vierte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht wurde in Zusammenarbeit mit der Sporthochschule Köln erstellt. 

Warum Eltern weniger vorlesen und wieso das unseren Kindern schadet

49 Prozent der Eltern sagen, dass es ihnen keinen Spaß macht / wenig Bücher zuhause / Vorlesestudie 2020 vorgestellt

Rund 32 Prozent der Eltern in Deutschland lesen ihren Kindern selten oder nie vor – diese Zahl ist seit Jahren konstant. Erstmalig geht die Vorlesestudie 2020 der Frage nach, welche Gründe dahinterstecken. Dazu wurden bundesweit 528 Eltern befragt, die maximal einmal pro Woche vorlesen. 

Die Vorlesestudie 2020, die heute in einer Online-Pressekonferenz vorgestellt wurde, ist wie der Bundesweite Vorlesetag am 20. November ein gemeinsames Projekt von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung.

Wenig Zeit

Häufig fehlt es an Zeit und Bereitschaft zum Vorlesen. Die Hälfte der Eltern gibt an, dass es im Haushalt anderes zu tun gibt und sie zu erschöpft zum Vorlesen sind. Außerdem denken 48 Prozent der befragten Eltern, dass ihren Kindern woanders schon genug vorgelesen wird, vor allem in der Kita. 

 „Vorlesen ist für viele der Befragten eine zusätzliche Belastung in ihrem Alltag“, sagt Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer der ZEIT Verlagsgruppe. „Dabei lässt es sich mit anderen Freizeitaktivitäten wie etwa Basteln gut verbinden, das wollen wir noch mehr zeigen. Schon fünf Minuten Vorlesen sind besser als nichts.“ 

Wenig Bücher

Auch mangelt es in vielen Haushalten an Vorlesestoff. 68 Prozent der befragten Haushalte geben an, dass ihre Kinder maximal zehn Bücher haben. Sie sehen diese Tatsache häufig nicht als Manko, allerdings fänden es 57 Prozent der befragten Eltern gut, wenn ihre Kinder regelmäßig Bücher geschenkt bekämen. Die Studie zeigt auf, dass Buchgeschenke die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Eltern häufiger vorlesen. 

„Geschichten müssen zu den Familien kommen, egal ob als Buch oder digital“, fordert Jürgen Kornmann, Leiter Marketing & PR der Deutschen Bahn AG und Beauftragter Leseförderung der Deutsche Bahn Stiftung. „Vorlesestoff sollte im Alltag überall verfügbar sein – attraktiv, unkompliziert, niedrigeschwellig und in möglichst vielen Sprachen. Das erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern häufiger vorlesen.“

Wenig Spaß

49 Prozent der Eltern macht Vorlesen keinen Spaß. Damit gehen sehr kritische Vorstellungen vom Vorlesen einher: Die Eltern glauben, schauspielern und ihre Kinder zum geduldigen Zuhören zwingen zu müssen. 44 Prozent der befragten Eltern sagen, dass ihr Kind zu unruhig sei, 31 Prozent geben an, dass ihr Kind selbst gar nicht vorgelesen bekommen möchte.  

„Viele der befragten Eltern stehen dem Vorlesen kritisch gegenüber – es macht ihnen keinen Spaß, weil sie sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlen“, sagt Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer Stiftung Lesen.  „Die Hälfte hat in ihrer eigenen Kindheit zu Hause keine Vorleseerfahrungen gemacht. Ihnen fehlt das Vertrauen, dass Vorlesen jederzeit und überall ohne Übung möglich ist. Das wollen, das müssen wir ändern, denn es geht darum, dass alle Kinder diesen wichtigen Impuls in ihr Leben mitnehmen können!“ 

Die Vorlesestudie wird seit 2007 jährlich durchgeführt. 2020 hat iconkids & youth München im Mai und Juni 528 Eltern von Kindern im Alter von 1-6 Jahren (358 Mütter, 170 Väter) persönlich-mündlich befragt, die maximal einmal pro Woche vorlesen. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Gruppe der selten und nie vorlesenden Eltern bundesweit. 

Alle Ergebnisse sowie Vorleseempfehlungen für Kinder zwischen einem und acht Jahren finden Sie unter: www.stiftunglesen.de/vorlesestudie

Zentrale Ergebnisse aus den zurückliegenden Vorlesestudien lauten: 

  • Vorlesen fördert die Lesemotivation und das Leseverhalten (2011/2018)
  • Vorlesen fördert die sprachliche Entwicklung (2018)
  • Vorlesen fördert die persönliche Entwicklung (2015)
  • Vorlesen fördert die sozialen Kompetenzen von Kindern (2015/2016)
  • 91 Prozent der Kinder in Deutschland lieben es, wenn ihnen vorgelesen wird und wünschen sich, dass dies noch viel öfter geschieht. (2016)

Beim Bundesweiten Vorlesetag setzen jedes Jahr Hundertausende Menschen ein Zeichen für das Vorlesen. 2020 findet er am 20. November statt. Weitere Informationen und Anmeldung: www.vorlesetag.de

Dies ist eine Pressemitteilung der Stiftung Lesen. Das Aufmacherbild stammt von: kelly bell photography (CC-BY 2.0).

Jungs und Computerspiele. Ist das Sport?

Ist das Sport?

Am 6. Oktober 2020 hat der niedersächsische Landtag eine Förderung des eSports beschlossen. Die Debatte ist nachzulesen im stenografischen Bericht der 85. Sitzung des Niedersächsischen Landtags vom 6. Oktober 2020, S. 8189-8196. Angenommen wurde der Antrag von SPD und CDU „Förderung des digitalen Breitensports – virtuelle Sportarten anerkennen und unterstützen„.

Kommentar

Zu dieser Entscheidung lesen Sie hier einen persönlichen Kommentar von Jan Herrmann, der nicht die Meinung des Kreiselternrates wiedergibt. Ziel dieses Kommentars ist es, hier vor Ort eine Debatte zu ermöglichen. Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion.

Es ist gesellschaftlicher Druck, der die CDU, SPD, FDP und die Grünen dazu bringt, für die Förderung des sogenannten eSports einzutreten. Computerspiele sind generationsübergreifend populär, insbesondere aber junge Menschen und hier besonders die Jungen verbringen einen Großteil ihrer freien Zeit damit, an Smartphones, Konsolen und Rechnern zu spielen. Die dahinter stehende wirtschaftliche Kraft ist groß und so ergibt sich für alle politische Richtungen ein Betätigungsfeld, das Sympathie-Boni verspricht.

Der Deutsche Olympische Sportbund zum eSport

Die inhaltliche Vorlage für eine Förderungsdiskussion hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) geleistet, der 2018 einen Teil der Computerspielangebote als integrierbar in die Sportkultur angesehen hat. Dafür hat der DOSB die unter eSport firmierenden Aktivitäten in zwei Gruppen unterteilt: In das eGaming und in elektronische Sportartensimulationen („virtuelle Sportarten“). Nur letzteres sei eSport im Sinne des DOSB, könne der Weiterentwicklung des Sports und der Sportverbände dienen und sei förderfähig.

Allerdings begründet Frau Prof. Carmen Borggrefe von der Universität Stuttgart, Abteilung Sportsoziologie und -management, in ihrer von vielen Sportwissenschaftlern unterzeichneten Stellungnahme zum eSport, warum eSport kein Sport sei. Unter anderem legt sie dar, dass die eigene Definition des Sportbegriffs durch den Deutschen Olympischen Sportbund gar nicht auf die Tätigkeiten an den Geräten und Controllern zutrifft.

eSport und Gesundheit

Der weitaus wichtigere Aspekt ihrer Stellungnahme ist aber, dass eine Förderung des eSports deutliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit junger Menschen hat. Da hilft es auch nicht, dass der SPD/CDU Antrag unter Punkt 6 dazu auffordert, „zu prüfen, welche suchtpräventiven sowie Anti-Doping- und Medienkompetenzmaßnahmen in Bezug zu virtuellen Sportarten zu treffen sind“. Borggrefe formuliert so:

Wettkampfmäßige Video- und Computerspiele wirken jedoch den positiven gesundheitlichen Effekten des Sports entgegen:

  • Sie sind auf die Bewegung der Finger beschränkt und fördern die allgemeine Bewegungsarmut durch das Sitzen vor den Bildschirmen.
  • Sie bergen ein hohes Suchtpotenzial, was dazu geführt hat, dass die WHO im Juni 2018 Computerspielsucht als offizielle Krankheit eingestuft hat.
  • Und sie werden durch die langen Spielzeiten vor den Bildschirmen und der damit einhergehenden fehlenden Exposition gegenüber Tageslicht auch mit der zunehmenden Kurzsichtigkeit von Kindern und Jugendlichen in Verbindung gebracht. 

Der Psychiater Prof. Dr. Bert te Wildt, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen stellt fest: „Man kann ganz klar sagen, dass der Traum, ein professioneller E-Sportler zu werden, manche in die Abhängigkeit treibt“ (DEEG, 2019).

Computerspiele und Schulleistungen

Die Computerspielsucht, von der Prof. te Wildt spricht, ist aber nur eine Spitze des Eisberges. Eine zeitlich umfassende Beschäftigung mit Computerspielen hat, ohne schon eine Sucht zu sein, schädliche Auswirkungen auf junge Menschen, alleine durch die Zeit, die damit verbracht wird. Prof. Dr. Christian Pfeiffer, ehemaliger Leiter des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen hat sich in vielen Studien mit dieser Problematik auseinandergesetzt. Mehrere Umfrage-Studien haben deutlich gezeigt, dass Jungen einen großen Teil ihres Tages mit Computerspielen verbringen. In Niedersachsen, so berichtet Christian Pfeiffer in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, spielen Jungen täglich drei Stunden und vier Minuten, während Mädchen nur 24 Minuten spielen. Zeitgleich sind Schülerinnen und Schüler auf dem Gymnasium gar nicht mehr gemäß ihrer normalen Verteilung vertreten (~60% Mädchen, ~40% Jungen). Dafür dominieren die Jungen beim Sitzenbleiben (60% aller Sitzenbleiber) und beim Abbruch des Studiums oder bei der Wiederholung von Prüfungen oder Semestern (67% männlich, 33% weiblich).

Computerspiele wirken besonders auf junge Männer. Der eigene Wunsch Maß zu halten, wird von den Prinzipien der Computerspiele torpediert, die stets Erfolge bieten und zum Weitermachen verführen. Wichtige anstehende Aufgaben für Schule, Job oder Studium geraten bei einer großen Anzahl von Jungen und männlichen jungen Erwachsenen in den digitalen Strudel.

Starke Lobby

Diese wichtigen Stimmen wurden angesichts der forschen Lobby-Arbeit z.B. durch den eSport-Bund Deutschland, vertreten durch seinen Präsidenten Hans Jagnow, verdrängt. Die Spieleszene hat eine gewaltige Dimension, bei Wettbewerben werden hohe Preisgelder bezahlt. Nur werden eben nur die wenigsten Profi-Spieler (die sich auch körperlich fit halten müssen, um ihren Leistungen zu erbringen). Auf der Strecke bleiben die Sesselsitzer und im Bett-Lieger, die sich (bis auf die flinken Finger) zu wenig bewegen, ihren Handy-Nacken ausbilden, ihre Augen schädigen und die vielleicht im Alter von 30 Jahren aus ihrem digitalen Tunnel ans Licht der Realität treten und sich fragen, womit sie ihre Jugend verbracht haben.

Was wäre denn besser?

Statt einer Förderung von Nachmittagsaktivitäten, die Schülerinnen und Schülern attraktive Angebote mit realen Erlebnissen, Horizonterweiterung, Musik, Kunst, richtigem Sport macht, wird nun eine milliardenschwere Industrie gefördert.

Und noch eine Frage:

Wenn die Steuerung von Avataren, die auf dem Bildschirm sportliche Übungen darstellen nun auch als richtiger, förderungsfähiger Sport definiert wird, sollte dann konsequenterweise nicht auch die Steuerung von Avataren, die sich auf dem Bildschirm gegenseitig umbringen als richtiger Krieg definiert werden? Sollten dann unsere Sanktionskriterien von kriegerischen Handlungen nicht auch für virtuelle Kriegshandlungen gelten?

Quellen

Nicole Dittmer hat am 16.10. für den Deutschlandfunk mit Hans Jagnow, Präsident des Deutschen E-Sport-Bundes, gesprochen: „Computerspielen als Sportart. 400 Anschläge pro Minute

Sabrina Loi hat am 16.10. für den Deutschlandfunk mit Christian Pfeiffer, dem ehemaligen Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen e. V., gesprochen: „Kontroverse um E-Sports Kriminologe: Computerspiele verringern die Lernleistung

Janosch Deeg für Spektrum.de (2019): Hartes Training ist noch keine Computerspielsucht

Links zum Thema

Bilderbuch für Kinder im Grundschulalter zum Thema Trauer und Tod

Viertklässler der Grundschule Neuschoo

Dieses Buch ist eine kreative Anleitung zum Trauern und Trösten. Es bietet jede Menge Platz für eigene Gedanken und Bilder, denn jeder trauert anders. Und Kinder brauchen Erwachsene, um Trauer auszudrücken und getröstet zu werden. Sie möchten auch andere, vor allem Erwachsene, trösten. 

Es sind die Ideen von Kindern aus der Grundschule für Kinder im ähnlichen Alter. All diese Ideen entsprechen dem Hospiz-Gedanken, wie Trauer aufgearbeitet und anderen Trost gespendet werden kann. Das gemeinsame Lesen und Gestalten des Buches nimmt Trauer nicht den Schmerz, hilft aber, den Verlust zu verarbeiten und kostbare Erinnerungen zu bewahren.

Ina Frerichs hat für den Anzeiger für Harlingerland einen Bericht zu diesem Buchprojekt geschrieben.

Das 40 Seiten starke Tröstbuch können Sie beim Präventionsrat im Harlingerland e.V. für € 4,95
bestellen. Nach Informationen des Anzeigers können Grundschulen das Buch kostenlos bekommen. Bestellungen richten Sie bitte an:

Information des Präventionsrates im Harlingerland e.V.. Das Beitragsbild zeigt die vierte Klasse der Grundschule Neuschoo, die das Buch gestaltet hat.

Hilfe bei Zeugnisfrust

Für sämtliche Fragen, Nöte, Ängste rund um das Zeugnis stellt die Niedersächsische Landesschulbehörde am Freitag, den 31. Januar 2020, in der Zeit von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr wieder Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner aus der Schulpsychologie zur Verfügung.

Unter der Telefonnummer 0551 309854-30 oder unter der E-Mail zeugnishotline@nlschb.niedersachsen.de können Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern, Erziehungsberechtigte und andere Ratsuchende ihre Fragen oder ihren Kummer loswerden. Für Antworten und Unterstützung sorgen dann am anderen Ende der Leitung Schulpsychologinnen und Schulpsychologen der Niedersächsischen Landesschulbehörde.

Eine Information der Niedersächsischen Landesschulbehörde