Vorlesen ist super – Gedruckte Bücher sind meist besser

Eine umfassende Durchsicht früherer Untersuchungen, die digitale Bücher mit gedruckten Büchern verglich, hat insgesamt ergeben, dass Kinder im Alter von 1 bis 8 Jahren digitale Versionen in der Regel weniger verstehen als gedruckten Buchausgaben (Review of Educational Research).

Wenn digitale Bilderbücher jedoch die richtigen Ergänzungen enthalten, die den Inhalt der Geschichte verdeutlichen, können sie in seltenen Fällen gedruckte Kinderbücher übertreffen. „Mit Tönen und Animationen versehene Geschichten im E-Book oder auf einem Tablet lenken in der Regel mehr ab und beeinträchtigen so das Verständnis. Die beste Hilfe für das Verständnis sind Eltern, die in Abhängigkeit von den Reaktionen ihres Kindes erklären oder Gesagtes wiederholen“, verdeutlicht Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin und Mitglied des Expertengremiums vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Den norwegischen, britischen und ungarischen Forschern zufolge trugen lediglich digitale Bücher, die beispielsweise das Hintergrundwissen der Kinder zum Verständnis der Geschichte angeregten oder zusätzliche Erklärungen zu Ereignissen der Geschichte bereitstellten, zum Verständnis des Buchinhalts bei. 

Ein guter Lesestart durch Vorlesen und Erzählen

Vergangene Studien haben bereits gezeigt, dass Eltern beim Vorlesen von E-Books ebenso häufiger von der Geschichte abgelenkt sind, wenn ihre Kinder z.B. versuchen, Knöpfe zu drücken oder über den Bildschirm zu wischen. „Kinder- und Jugendärzte empfehlen interaktives Vorlesen, das Kinder beim Vorlesen z.B. mit Fragen einbezieht. Dabei können Eltern die Sprachkenntnisse und  fähigkeiten ihre Kinder besonders gut fördern, aber auch die Beziehung zwischen Eltern und Kind profitiert davon“, so Dr. Niehaus. Viele Kinder- und Jugendärzte übergeben deshalb im Rahmen der Aktion „Lesestart 1–2–3“ bei den Vorsorgeuntersuchungen U6 (im Alter von etwa 1 Jahr) und U7 (etwa 2 Jahre) ein Set zum Lesen.

Ab dem Herbst 2021 gibt es das dritte Lesestart-Set für Dreijährige dann in allen teilnehmenden Büchereien. Bei jedem Set ist eine Broschüre bzw. ein Infoblatt für Eltern mit Tipps zum altersgerechten Vorlesen dabei. „Lesestart 1–2–3“ ist ein bundesweites Programm zur frühen Sprach- und Leseförderung für Familien mit Kindern im Alter von einem, zwei und drei Jahren. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von der Stiftung Lesen durchgeführt . Für jede Altersgruppe erhalten Eltern zusätzlich zu den Büchern eine Broschüre mit Tipps zum Vorlesen. Viele weitere Informationen und Anregungen finden Eltern zudem unter www.lesestart.de.

Wie geht interaktives Vorlesen?

  • Eltern sollten ihre Kinder eine aktive Rolle spielen lassen, durch Nachfragen überprüfen, ob sie dem Inhalt folgen können, und Kinder dazu ermutigen, selbst Fragen zu stellen.
  • Eltern können während des Vorlesens auf Bilder zeigen und die Geschichte kommentieren. 
  • Tauchen neue oder unbekannte Wörter auf, sollten Eltern ihren Kindern helfen, diese zu verstehen. 
  • Stellen Eltern eine Verbindung zu bekannten Dingen und Ereignissen her, kann dies Kindern das Verständnis erleichtern.
  • Pausen können kreativ sein: Sie geben Kindern Raum, sich mitzuteilen.
  • Ein Buch mehrmals zu lesen, kann den Wortschatz verfestigen und macht es Kindern leichter, etwas zu begreifen, was sie vorher nicht erfasst haben. Zudem können Eltern sich mit ihrem Kind über vertraute Inhalte gut austauschen. 

Quellen

Jennifer Cunningham, Kathleen Artman-Meeker, Naima Shirdon und Susan Sandall
Interactive Book Reading for Each and Every Child

May Irene Furenes, Natalia Kucirkova, Adriana G. Bus (2021)
A Comparison of Children’s Reading on Paper Versus Screen: A Meta-Analysis
Review of Educational Research
DOI: 10.3102/0034654321998074

Tiffany G. Munzer, Alison L. Miller, Heidi M. Weeks, Niko Kaciroti und Jenny Radesky (2019)
Differences in Parent-Toddler Interactions With Electronic Versus Print Books
Pediatrics 143 (4): e20182012
DOI: 10.1542/peds.2018-2012

www.lesestart.de
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ).

Fast ein Drittel der Jugendlichen mit problematischer Internetnutzung

Ist das Sport?

Neue BZgA-Studiendaten zur Computerspiel- und Internetnutzung 

Die problematische Computerspiel- und Internetnutzung ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen seit 2015 gestiegen. Dies zeigen die Ergebnisse der Drogenaffinitätsstudie 2019 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung: „Medien-und Internetabhängigkeit ist quasi die Droge der Zukunft. Immer mehr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nutzen die digitalen Medien mehr als ihnen guttut. Auch wenn die Digitalisierung insgesamt ein wertvolles Gut ist – während Corona mehr denn je – müssen junge Menschen wissen, wann sie auch mal ‚offline‘ sein sollten. Dabei hilft meine Kampagne ‚Familie.Freunde.Follower.‘ mit wertvollen und einfachen Tipps für die ganze Familie.“

Prof. Dr. med. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA: „Nicht jeder Hinweis auf eine exzessive Mediennutzung sollte pathologisiert werden. Gleichwohl dürfen die Suchtrisiken von digitalen Spielen sowie eine mögliche Verknüpfung mit Glücksspielen nicht verharmlost werden. Die Studiendaten bestätigen, wie wichtig es ist, Jugendlichen die Risiken der exzessiven Nutzung von Internet, Smartphones und Computerspielen aufzuzeigen. Darüber hinaus gilt es, Eltern und andere erwachsene Bezugspersonen für ihre Vorbildrolle für Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren. “

Die BZgA hat zur Prävention der exzessiven Mediennutzung im Jugendalter ihre Kampagne “Ins Netz gehen“ um weitere Angebote ergänzt. So berichten beispielsweise Bloggerinnen und Blogger über ihre persönlichen Erfahrungen mit der Mediennutzung. Auch für Eltern, Lehrkräfte sowie Fachkräfte für Suchtprävention bietet die BZgA hilfreiche Informationen und eine individuelle E-Mail-Beratung.

Die Studiendaten bestätigen, dass für Jugendliche und junge Erwachsene bei der Internetnutzung nach wie vor Kommunikation und Unterhaltung im Vordergrund stehen. 12- bis 17-Jährige nutzen Computerspiele und das Internet durchschnittlich 22,8 Stunden pro Woche und 18- bis 25-Jährige durchschnittlich 23,6 Stunden pro Woche privat – also nicht für Schule, Studium oder Arbeit.

Im Zeitraum von 2015 bis 2019 ist der Anteil der 12- bis 17-Jährigen und 18- bis 25-Jährigen mit einer problematischen Internetnutzung nochmals gestiegen. Er hat sich bei den Jugendlichen von 21,7 Prozent im Jahr 2015 auf 30,4 Prozent im Jahr 2019 und bei den jungen Erwachsenen von 15,2 Prozent in 2015 auf 23,0 Prozent in 2019 erhöht.

Internetbezogene Störungen treten im Jahr 2019 bei 7,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen auf. Im Jahr 2015 lag dieser Wert bei 5,7 Prozent. Sie treten aktuell bei 4,1 Prozent der 18- bis 25-Jährigen auf und lagen im Jahr 2015 bei dieser Altersgruppe bei 2,6 Prozent.

Unter den 12- bis 17-jährigen weiblichen Jugendlichen und den 18- bis 25-jährigen jungen Frauen ist die internetbezogene Störung beziehungsweise die problematische Nutzung im Jahr 2019 etwas weiter verbreitet als unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern entsprechenden Alters.

Die Situation während der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 war nicht Teil des Erhebungszeitraums dieser Studie und ist darin nicht abgebildet.

BZgA-Studie zur problematischen Mediennutzung von Jugendlichen

Die BZgA-Studie „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2019 – Teilband Computerspiele und Internet“ steht zum Download unter: www.bzga.de/forschung/studien/abgeschlossene-studien/studien-ab-1997/suchtpraevention/

Die Repräsentativbefragung wurde zwischen April und Juni 2019 unter 7.000 jungen Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren erhoben.

Ein Info-Blatt mit ausgewählten Ergebnissen der BZgA-Drogenaffinitätsstudie steht zur Verfügung unter: www.bzga.de/presse/daten-und-fakten/suchtpraevention/

Die Kampagne „Familie.Freunde.Follower.“ der Drogenbeauftragten der Bundesregierung mit Tipps für einen gesunden Umgang mit digitalen Medien finden Sie hier:
www.drogenbeauftragte.de/familiefreundefollower/

Übersicht der BZgA-Angebote zur Prävention exzessiver Mediennutzung:

Telefonberatung der BZgA zur Suchtvorbeugung: 

Rufnummer 0221 – 89 20 31. Montag bis Donnerstag: von 10 bis 22 Uhr und Freitag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr. Preis entsprechend der Preisliste des Telefonanbieters für Gespräche in das Kölner Ortsnetz.

Dies ist eine Presseinformation der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Wissenschaft für Kids: Mit „Süßes oder Saurier“ startet der Kinderpodcast des Museums für Naturkunde Berlin

Kassette war gestern, heute gibt’s Podcast: Passend zu Halloween bringt das Museum für Naturkunde Berlin ab 4. November 2020 den Kinderpodcast „Süßes oder Saurier“ heraus. Ob Dinosaurier, Hamster oder die wilden Tiere Berlins – der Podcast bringt die gesamte Palette der Natur ins Kinderzimmer. Mehr Natur geht nicht.

Waren Dinos grün? Wollen Hamster und Meerschweinchen mit uns kuscheln? Und warum dampfen Vulkane? Diesen und vielen anderen Kinderfragen geht das Reporterteam Jule Kaden und Sparky, das Maskottchen der Berliner Sparkasse, auf den Grund. Alles über süße Tiere, echte Saurier und faszinierende Naturgeheimnisse erfahren die beiden von den Expertinnen und Experten des Museums. So entstehen kuriose Geschichten aus der Natur- und Tierwelt zum Reinhören für Kinder. Und selbst Erwachsene können hier noch etwas lernen.

„Bereits Vierjährige kennen den lateinischen Fachbegriff Tyrannosaurus rex. Aber kennen sie auch die Wildtiere vor ihrer Haustür? Mit dem Kinderpodcast „Süßes oder Saurier“ bringen wir die gesamte Palette der Natur in die Kinderzimmer und begeistern Kinder für Natur“, sagt Johannes Vogel, Generaldirektor. „Die Natur zu verstehen und Kurioses zu lernen, macht Spaß. „Süßes oder Saurier“ öffnet die Türen zur Wissenschaft und die Türen in die heutige sowie die Welt lange vor unserer Zeit.“

Die erste Staffel mit zehn Folgen erscheint alle 14 Tage mittwochs. „Süßes oder Saurier“ gibt es ab 4. November auf Spotify, Deezer, Apple Podcast und überall, wo es Podcasts gibt.

Der Podcast „Süßes oder Saurier“ ergänzt den Podcast „Beats & Bones“, den es seit August gibt. Beide Podcasts entstehen im Rahmen der Kooperation der Berliner Sparkasse und des Museums für Naturkunde Berlin. „Unsere Kooperation macht neugierig auf Natur. Um diese Neugier zu stillen, können alle Kinder ihre Fragen an uns schicken, die häufigsten werden im Podcast beantwortet. Wir sind sicher: ‘Wissen schafft Durchblick‘“, sagt Kai-Uwe Peter, Verbandsgeschäftsführer der Berliner Sparkasse. Alle Fragen zu allem, was krabbelt, stampft, blubbert und fliegt, können als Sprachnachricht geschickt werden an: +4917692136208 oder SoS@mfn.berlin.

Audio-Trailer unter: https://www.museumfuernaturkunde.berlin/SoS

Diesen Podcast produziert die Berliner Audioproduktionsfirma Auf die Ohren GmbH.

Die ersten fünf Folgen:

  1. Dinoliebe. Mit Dr. Daniela Schwarz, Paläontologin.
  2. Bella, Pfiffi und Karlchen – unsere Haustiere. Mit Dr. med. vet. Jakob Trimpert, Virologe und Tierarzt.
  3. Wilde Tiere in der Stadt. Mit Parima Parsi-Pour, Biologin. 
  4. Nachtaktive: Fledermäuse. Mit Dr. Simon Rippberger, Biologe. 
  5. Im Netz der Spinnen. Mit Dr. Jason Dunlop, Biologe.
Dies ist eine Presseinformation von Dr. Gesine Steiner, Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung

Wer macht mit? Jugendwettbewerb Architektur

Kreativer Nachwuchs gesucht: 51. Jugendwettbewerb startet unter der Schirmherrschaft von Künstlerin Rosa Loy

Berühmte Gebäude, eigene Bauvisionen und Zukunftschancen der Architektur – darum geht es beim 51. Internationalen Jugendwettbewerb „jugend creativ“ der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Am 1. Oktober 2020 startet die neue Wettbewerbsrunde zum Thema „Bau dir deine Welt!“ unter der Schirmherrschaft von Künstlerin Rosa Loy – eine der wichtigsten Vertreterinnen der Neuen Leipziger Schule.

Loys Werke, in denen Mensch und Natur buchstäblich miteinander verwachsen, erinnern an Fantasie- und Traumwelten. „Seit Zigtausenden von Jahren zeichnen und malen Menschen ihr Heim, ihre Tiere und ihre Umgebung. So geschieht es noch heute; Kinder finden zeichnerische und formale Entsprechungen ihrer Weltwahrnehmung und treiben diese mit hingebungsvollem Ernst voran. … Bis heute liebe ich es, in meinem Garten und auf meinen Bildern Räume zu entwickeln, in denen ich mich wohlfühle“, so Rosa Loy in ihrem Grußwort.

Der 51. Internationale Jugendwettbewerb lädt Schülerinnen und Schüler der 1. bis 13. Klasse sowie Jugendliche bis 20 Jahre ein, sich auf eine kreative Reise durch die Welt der Baukunst zu begeben. Zudem können sie beim Quiz ihr Wissen rund um das Thema Architektur unter Beweis stellen.

Die Teilnahmeunterlagen sind ab Oktober 2020 in den am Wettbewerb teilnehmenden Volksbanken und Raiffeisenbanken verfügbar. Lehrkräfte erhalten dort auch das Magazin für Pädagogen mit Anregungen und Empfehlungen zur Einbindung des Wettbewerbs in den Schulunterricht. Bilder und Quizscheine können bei den teilnehmenden Volksbanken und Raiffeisenbanken eingereicht, Kurzfilme auf dem Videoportal www.jugendcreativ-video.de hochgeladen werden. Auf dem Portal finden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch hilfreiche Tipps zur Erstellung ihres Kurzfilms. Abgabeschluss für alle Beiträge ist der 19. Februar 2021.

Bundespreisträgerakademie: Talentschmiede für junge Künstler

Die besten Bilder und Filme aus Deutschland werden im Mai 2021 von der Bundesjury in Berlin ausgewählt und die Siegerinnen und Sieger mit der Teilnahme an der wettbewerbseigenen Bundespreisträgerakademie ausgezeichnet. Eine Woche lang können die Kinder und Jugendlichen in der Internationalen Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg in Werkstätten wie Bildgestaltung, Fotografie oder Filmdreh ihrem Talent nachgehen, ihre Fertigkeiten vertiefen und neue Fähigkeiten entdecken. Die Akademie gilt seit Jahren als Talentschmiede für junge Künstler und Filmemacher. Viele ehemalige Teilnehmer von „jugend creativ“ haben ihre Bestimmung im kreativen Arbeiten gefunden und sagen heute, dass der Wettbewerb Auslöser für ihre künstlerische Karriere war. So auch der freischaffende Maler und Illustrator Oliver Rennert, Preisträger beim 1. Internationalen Jugendwettbewerb, oder Trickfilmkünstler und Oscar-Preisträger Thomas Stellmach, mehrfacher Preisträger bei „jugend creativ“. Heute begleitet Stellmach den Wettbewerb als Mitglied der Bundesjury in der Kategorie Kurzfilm und Leiter der Trickfilm-Werkstatt während der Bundespreisträgerakademie.

Bevor es für die Bundessiegerinnen und Bundessieger auf den Scheersberg geht, dürfen die Erstplatzierten in der Kategorie Bildgestaltung noch auf eine Platzierung auf dem internationalen Siegertreppchen hoffen. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden im Juni/Juli 2021 auf der internationalen Abschlussveranstaltung in Italien (Südtirol) bekannt gegeben.

90 Millionen Beiträge aus sieben Nationen

Seit 1970 ist es das Ziel der Initiative, die Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nachhaltig zu fördern und sie zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen zu inspirieren. Für dieses Engagement wurde „jugend creativ“ 2009 als ein offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Neben Deutschland beteiligen sich Genossenschaftsbanken aus Finnland, Frankreich, Italien (Südtirol), Luxemburg, Österreich und der Schweiz an der Durchführung des Jugendwettbewerbs. Mit seinen bis dato 90 Millionen international eingereichten Wettbewerbsbeiträgen ist „jugend creativ“ der größte Jugendwettbewerb seiner Art weltweit.

Dies ist eine Pressemitteilung des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken
und Raiffeisenbanken.

Bedenklicher Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen

„Vierter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht” setzt auf ganzheitlichen Ansatz zur Bewegungs­förderung 

  • 80 Prozent der Heranwachsenden erreicht nicht die von der WHO empfohlenen 45 Minuten Bewegungszeit pro Tag
  • Inaktivität im Kindesalter hat gesundheitliche Konsequenzen und kann zu niedriger Lebenserwartung führen
  • Sport wirkt sich positiv auf chronisch kranke Kinder aus
  • Physical Literacy soll Leitprinzip im deutschen Kinder- und Jugendsport werden

Es gehört zum Grund­verständnis aller Menschen, dass Sport zu einer gesunden Lebensweise beiträgt. Dies gilt insbesondere für die Kindes- und Jugendentwicklung: Der natürlich gegebene Bewegungs­drang von Kindern ist die Voraussetzung für eine gesund­heitliche Entwicklung. Trotz allem steigt die Anzahl der Befunde, wie Übergewicht oder motorische Defizite, die auf ein unzureichendes Pensum an Bewegung bei Kindern und Jugendlichen hinweisen.

Der „Vierte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht”, der von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung initiiert wurde, verdeutlicht die Risiken von Inaktivität und diskutiert den Bedarf des Konzepts der Physical Literacy als ganzheitlichen Ansatz zur Bewegungs­förderung im Sinne einer bewegungsbezogenen Gesundheitskompetenz.

Bewegung im Entwicklungskontext

Wichtig für das Verständnis der kindlichen und jugendlichen Entwicklung ist, Kinder nicht als kleine Erwachsene zu kategorisieren. Entwicklungsprozesse körperlicher, psychischer und kognitiver Art können nicht einfach vom Erwachsenen auf den Heranwachsenden übertragen werden. Unabhängig davon ist in der Entwicklung von Kindern das Wechselspiel zwischen aktivem Handeln und Interaktion eines Individuums mit seiner Umwelt, an die es sich anpasst, ein entscheidender Faktor.

Gerade im Kindesalter spielt dabei die Rolle der Familie und im engeren Kreis der Eltern eine wichtige Funktion. Die familiäre Vorbildfunktion spielt eine entscheidende Rolle für die sportliche Entwicklung von Kindern. Doch auch Einflussfaktoren wie Kindertagesstätten und Kindergärten, Schulen oder das steigende digitale Angebot sind entscheidend für die Aktivität bzw. Inaktivität von Kindern und Jugendlichen. Denn:

Mehr als 80 Prozent der Heranwachsenden in Deutschland erfüllt die Bewegungs­empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht. Besonders dramatisch trifft dies auf weibliche Jugendliche zu.

Vierter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht

Für die einzelnen Altersgruppen lassen sich mitunter Bewegungsempfehlungen ableiten: Säuglinge und Kleinkinder sollten in ihrem natürlichen Bewegungsdrang nicht gehindert werden. Hier gilt es, Eltern bzw. Betreuungs­personen zu sensibilisieren. Für Kinder im Grundschulalter haben Studien herausgefunden, dass eine ausreichende Bewegung zu einer besseren Gewichtsentwicklung, aber auch zu Zufriedenheit und prosozialem Verhalten beitragen. Positiv beeinflussend wirken hier:

  • die Teilnahme am Sportunterricht,
  • die aktive Gestaltung des Schulwegs,
  • das Nachgehen von sportlichen Hobbies auch im familiären Kontext sowie
  • die Reduktion von Medienzeiten und Mediengeräten in Kinderschlafzimmern auf ein Minimum. 

Gesundheitliche Folgen von Inaktivität vs. Chancen von Bewegungsförderung 

Kinder und Jugendliche in Deutschland bewegen sich immer weniger und entwickeln als Folge davon immer mehr Überge­wicht. Das beeinträchtigt nicht nur die physische, psychische und soziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, sondern könnte auch zu einer niedrigeren Lebenserwartung führen, wie dies z. B. Studien in den USA bereits gezeigt haben. Wir wissen heute erheblich mehr über den Gesund­heitsnutzen von Bewegung und Sport in Kindheit und Jugend als noch vor wenigen Jahren, z. B. über die Kommunikation der verschiedenen Organsysteme wie Muskel, Gehirn und Fettmasse sowie die zentrale Rolle von Sport und Bewegung in diesem Zusammenhang.

Fakt ist: Sport und Bewegung haben nicht nur einen physischen Nutzen, sondern auch positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen. Besonders sinnvoll sind dabei Programme, die körperliche und koordinative Anforderungen miteinander kombinieren. Sport und Bewegung bieten auch Chancen für chronisch kranke Kinder und Jugendliche: In Abhängigkeit des jeweiligen Zustandes wirken Sport und Bewegung direkt positiv auf den Krankheitsverlauf und führen zu psychischer Stabilisierung, Steigerung der Lebensqualität sowie sozialer Integration. 

Physical Literacy als Leitprinzip im deutschen Kinder- und Jugendsport 

Gesundheitsorientierter Kinder- und Jugendsport in Deutschland sollte sich verstärkt am Konzept der Physical Literacy orientieren, so wie dies international bereits häufig üblich ist. Es sollte ein Grundpfeiler bzw. eine fest verankerte Zieldimension von Sportunterricht in Deutschland sein.

Im aktuellen wissenschaftlichen Kontext wird Physical Literacy als bewegungsbezogene Gesundheitskompetenz diskutiert. Der Begriff „Literacy” meint die Fähigkeit des Lesens und Schreibens sowie auch das Text- und Sinnverständnis, Vertrautheit mit Literatur und anderen schriftbezogenen Medien (inkl. Internet) und die Kompetenzen im Umgang mit der Schriftsprache. Schon vor einigen Jahren wurde hiervon ausgehend der Begriff „Health Literacy” geprägt. Zunächst schrieb die wissenschaftliche Forschung diesem Begriff die kognitive und soziale Fähigkeit zu, die eine Person dazu befähigt, Zugang zu (medizinischen) Informationen zu erhalten, zu verstehen und gesundheitsförderlich zu nutzen. Mittlerweile wird der Begriff vielmehr mit der kritischen Analyse und der Bewertung von (medizinischen) Informa­ tionen in Verbindung gebracht, wodurch die Gesundheits­ kompetenz und die Bildung in einem Zusammenhang stehen. In Weiterentwicklung zur Physical Literacy werden jene Bereiche erfasst, die zu einem aktiven Lebensstil beitragen. 

Hierzu gehören neben der Motivation und der Selbstwirk­samkeit auch das Wissen über den (gesundheitlichen) Nutzen. Physical Literacy hat daher eine erhebliche Bedeutung für den Kinder- und Jugendsportbereich. 

Der „Vierte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht” fordert, die praktische Umsetzung des Konzepts weiter auszuarbeiten. Denkbar ist die Vermittlung einer entsprechenden Grundhaltung, so dass die Selbstwirksamkeit, Motivation und vor allem auch das Vertrauen in die sportliche Betätigung zu einem besseren Verständnis für den gesundheitsbringenden Nutzen beiträgt. Hierzu benötigt es, so der Bericht, qualifiziertes Personal, damit Kinder und Jugendliche eigeninitiativ und vor allem spielerisch ihren Alltag mit Bewegungsfreude gestalten möchten. Daneben sollten auch Eltern den gesundheitsbewussten Bewegungs­drang ihrer Kinder fördern, um die Vorbildfunktion in der frühen Entwicklung zu nutzen. 

Dies ist eine Presseinformation der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Der vierte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht wurde in Zusammenarbeit mit der Sporthochschule Köln erstellt. 

Warum Eltern weniger vorlesen und wieso das unseren Kindern schadet

49 Prozent der Eltern sagen, dass es ihnen keinen Spaß macht / wenig Bücher zuhause / Vorlesestudie 2020 vorgestellt

Rund 32 Prozent der Eltern in Deutschland lesen ihren Kindern selten oder nie vor – diese Zahl ist seit Jahren konstant. Erstmalig geht die Vorlesestudie 2020 der Frage nach, welche Gründe dahinterstecken. Dazu wurden bundesweit 528 Eltern befragt, die maximal einmal pro Woche vorlesen. 

Die Vorlesestudie 2020, die heute in einer Online-Pressekonferenz vorgestellt wurde, ist wie der Bundesweite Vorlesetag am 20. November ein gemeinsames Projekt von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung.

Wenig Zeit

Häufig fehlt es an Zeit und Bereitschaft zum Vorlesen. Die Hälfte der Eltern gibt an, dass es im Haushalt anderes zu tun gibt und sie zu erschöpft zum Vorlesen sind. Außerdem denken 48 Prozent der befragten Eltern, dass ihren Kindern woanders schon genug vorgelesen wird, vor allem in der Kita. 

 „Vorlesen ist für viele der Befragten eine zusätzliche Belastung in ihrem Alltag“, sagt Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer der ZEIT Verlagsgruppe. „Dabei lässt es sich mit anderen Freizeitaktivitäten wie etwa Basteln gut verbinden, das wollen wir noch mehr zeigen. Schon fünf Minuten Vorlesen sind besser als nichts.“ 

Wenig Bücher

Auch mangelt es in vielen Haushalten an Vorlesestoff. 68 Prozent der befragten Haushalte geben an, dass ihre Kinder maximal zehn Bücher haben. Sie sehen diese Tatsache häufig nicht als Manko, allerdings fänden es 57 Prozent der befragten Eltern gut, wenn ihre Kinder regelmäßig Bücher geschenkt bekämen. Die Studie zeigt auf, dass Buchgeschenke die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Eltern häufiger vorlesen. 

„Geschichten müssen zu den Familien kommen, egal ob als Buch oder digital“, fordert Jürgen Kornmann, Leiter Marketing & PR der Deutschen Bahn AG und Beauftragter Leseförderung der Deutsche Bahn Stiftung. „Vorlesestoff sollte im Alltag überall verfügbar sein – attraktiv, unkompliziert, niedrigeschwellig und in möglichst vielen Sprachen. Das erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern häufiger vorlesen.“

Wenig Spaß

49 Prozent der Eltern macht Vorlesen keinen Spaß. Damit gehen sehr kritische Vorstellungen vom Vorlesen einher: Die Eltern glauben, schauspielern und ihre Kinder zum geduldigen Zuhören zwingen zu müssen. 44 Prozent der befragten Eltern sagen, dass ihr Kind zu unruhig sei, 31 Prozent geben an, dass ihr Kind selbst gar nicht vorgelesen bekommen möchte.  

„Viele der befragten Eltern stehen dem Vorlesen kritisch gegenüber – es macht ihnen keinen Spaß, weil sie sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlen“, sagt Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer Stiftung Lesen.  „Die Hälfte hat in ihrer eigenen Kindheit zu Hause keine Vorleseerfahrungen gemacht. Ihnen fehlt das Vertrauen, dass Vorlesen jederzeit und überall ohne Übung möglich ist. Das wollen, das müssen wir ändern, denn es geht darum, dass alle Kinder diesen wichtigen Impuls in ihr Leben mitnehmen können!“ 

Die Vorlesestudie wird seit 2007 jährlich durchgeführt. 2020 hat iconkids & youth München im Mai und Juni 528 Eltern von Kindern im Alter von 1-6 Jahren (358 Mütter, 170 Väter) persönlich-mündlich befragt, die maximal einmal pro Woche vorlesen. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Gruppe der selten und nie vorlesenden Eltern bundesweit. 

Alle Ergebnisse sowie Vorleseempfehlungen für Kinder zwischen einem und acht Jahren finden Sie unter: www.stiftunglesen.de/vorlesestudie

Zentrale Ergebnisse aus den zurückliegenden Vorlesestudien lauten: 

  • Vorlesen fördert die Lesemotivation und das Leseverhalten (2011/2018)
  • Vorlesen fördert die sprachliche Entwicklung (2018)
  • Vorlesen fördert die persönliche Entwicklung (2015)
  • Vorlesen fördert die sozialen Kompetenzen von Kindern (2015/2016)
  • 91 Prozent der Kinder in Deutschland lieben es, wenn ihnen vorgelesen wird und wünschen sich, dass dies noch viel öfter geschieht. (2016)

Beim Bundesweiten Vorlesetag setzen jedes Jahr Hundertausende Menschen ein Zeichen für das Vorlesen. 2020 findet er am 20. November statt. Weitere Informationen und Anmeldung: www.vorlesetag.de

Dies ist eine Pressemitteilung der Stiftung Lesen. Das Aufmacherbild stammt von: kelly bell photography (CC-BY 2.0).