Na, dann nehme ich das Amt eben auch noch…

Gute Elternmitwirkung an Schulen und die ehrenamtliche Überlastung

Bei vielen geht es schon bei der Wahl der Elternvertretung in der Klasse los. Alle schauen auf den Boden und nur man selbst hat doch kurz gezuckt, einen höflichen Blick nach vorne zum verzweifelten Wahlvorstand geworfen. Und schon ist man in der Falle. “Na gut, dann übernehme ich das eben”. 

So seltsam wie der Autor dieser Zeilen sind die wenigsten Erziehungsberechtigten. Der hat nämlich richtig Lust auf Elternvertretung und Spaß dabei ein kleines Rad an der Schule zu sein, das durch konstruktive Mitarbeit zur Verbesserung des Schullebens beitragen kann. Aber auch die ins Amt überredeten Elternvertreterinnen und -vertreter erledigen ihr Amt meist tapfer, obwohl sie zu Hause oft nicht nur ihre Familie wissen, sondern sich auch häufig noch woanders engagieren, bei der freiwilligen Feuerwehr, beim Boßeln, bei der Seniorenbetreuung usw. Sie stehen als Mittler zwischen Eltern und Schule zur Verfügung, sammeln Elternstimmen, suchen Kontakte zu Klassen- und Fachlehrerinnen und -lehrern. Und sie gehen zu den Sitzungen des Schulelternrates.

Im Schulelternrat droht vielen dann das nächste Unheil. Eltern arbeiten nämlich qua Gesetz in den Gremien der Schule mit, den Fachkonferenzen, der Gesamtkonferenz, dem Schulvorstand. In den Fachkonferenzen geht es z.B. um die Auswahl der Fachbücher, die Übersetzung der Kerncurricula in den Schulalltag, die Anzahl der Klassenarbeiten oder die Gestaltung des Unterrichts. Die Gesamtkonferenz entscheidet über Schulprogramm oder Schulordnung und sammelt Stimmungen, die für Schulvorstandsentscheidungen wichtig sind, dort werden wichtige Projekte diskutiert. Der Schulvorstand ist das bedeutendste Gremium der eigenverantwortlichen Schule, er entscheidet über die Verwendung der Haushaltsmittel und die Entlastung der Schulleiterin oder des Schulleiters. Die Stundentafel oder Schulpartnerschaften sind Themen des Schulvorstandes. 

Bei der Wahl der Elternvertreter in diese Gremien sitzen also die Menschen zusammen, die schon die Vertretung der Klassenelternschaft nur aus Nettigkeit übernommen haben. Und jetzt werden all die Ämter zur Wahl gestellt und der Abend endet nur dann gut, wenn alles verteilt wird. Nicht selten finden sich dann Elternvertreterinnen oder -vertreter mit vielen zusätzlichen Jobs wieder, die es auszufüllen gilt. 

Finde den Fehler

Die Elternmitwirkung an Schulen läuft dann gut, wenn Eltern sich auch in die Aufgaben der Fachkonferenz, der Gesamtkonferenz oder des Schulvorstandes einarbeiten können. Eltern müssen keine Spezialisten sein, aber es wäre doch schön, sich ein bisschen intensiver mit den auszuwählenden Schulbüchern oder den umzusetzenden Kerncurricula beschäftigen zu können. Dann können Eltern nämlich auch hilfreich und kompetent erläutern, dass bestimmte Schulbücher weniger motivierend oder klug aufgebaut sind, als andere. Oder sie können Eindrücke und Anforderungen aus der Arbeitswelt schildern, um Schule ein bisschen realistischer unterrichten zu lassen.

Eine Ämterhäufung ließe sich verringern, wenn man die Ämter vorher in der Schulöffentlichkeit vorstellt und zur Bewerbung einlädt. Für Konferenzen und Schulvorstand können nämlich alle Erziehungsberechtigten einer Schule kandidieren, nicht nur die im Schulelternrat.

Gute Elternvertretung an Schulen kümmert sich auch stets um den Nachwuchs, informiert neue Eltern und lädt diese zur Mitwirkung ein. Eine Investition, die sich lohnt, weil sich dann die Arbeit auf viele Schultern verteilt. Gute Schulleitungen unterstützen das, weil sie die Bedeutung konstruktiver Mitwirkung von Eltern kennen und sie das Bindeglied über die starke Fluktuation der Elternvertretungen hinweg sind. 

Aufruf zur spaßvollen Mitwirkung

Das Schulgesetz gibt den Eltern verantwortungsvolle Posten. Wir sollten also viel mehr die Möglichkeit nutzen, an den Grundlagen der Schularbeit mitzuwirken, als uns hinterher zu beschweren, wenn irgend etwas nicht läuft. Die Mitarbeit macht Spaß und ist erfüllend. Erst recht dann, wenn man sich die Zeit nehmen kann, sich intensiver mit den Themen zu beschäftigen. Ich wünsche mir also, dass mehr Eltern sagen: “Das würde ich gerne machen!” 

Schlau machen

Und wer nun feststellt, dass er gerne mitmachen würde, sich aber nicht kompetent fühlt, dem sei geholfen. Es gibt Elterntrainer, die in Vorträgen oder richtigen Seminaren Eltern fit für die Elternmitwirkung an Schulen machen. Die kann man in die Schule einladen und sich mal anhören, wie Eltern einen Beitrag für gute Schulen leisten können (und auch ein Handwerkszeug an der Hand haben, wenn es mal nicht so gut läuft).

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